Bamberger Schule muss nach kritischen Medienberichten Verweis gegen jungen Antimilitaristen zurücknehmen

16. März 2015

Protest lohnt sich

Bamberger Schule muss nach kritischen Medienberichten Verweis gegen jungen Antimilitaristen zurücknehmen

Von Johannes Supe
»Deutschlandweit wichtig«: Proteste gegen Werbeveranstaltung des
»Deutschlandweit wichtig«: Proteste gegen Werbeveranstaltung des Militärs an Schulen, wie hier in Berlin

Die Leitung der bayrischen Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule in Bamberg muss zurückrudern. Ein »verschärfter Verweis«, der einem Schüler erteilt wurde, nachdem dieser einen Stand mit Informationen gegen den Besuch von Bundeswehrsoldaten an der Bildungseinrichtung aufgesucht hatte, wird zurückgenommen. Deren Begründung entspreche nicht den in Bayern gültigen Richtlinien für disziplinarische Maßnahmen. Das geht aus einer am Mittwoch von der Stadt Bamberg veröffentlichten Medienmitteilung hervor. Dem Schüler hatte man unter anderem eine »zweifelhafte, linksorientierte Gesinnung« vorgeworfen. »Ich bin ganz klar erleichtert«, so der betroffene Schüler, Niklas Hatzold, gestern gegenüber jW. Die letzten sechs Wochen seit Erhalt des Verweises hätten ihn »viel Kraft« gekostet. Auch jetzt will Hatzold nur von einem »vorsichtigen Optimismus« sprechen. Denn von der Rücknahme des Verweises habe er nicht etwa von Schulleitung oder Lehrern erfahren, sondern erst am Mittwoch nachmittag – aus der Pressemitteilung der Stadt. Bereits Anfang Februar war dem jungen Antimilitaristen der »verschärfte Verweis« erteilt worden. Er hatte beim Besuch der Bundeswehr an seiner Schule kritische Fragen gestellt und einen Stand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) vor dem Schulgelände besucht. Zukünftig müsse er darauf achten, hieß es dann im Verweis, »Äußerungen bezüglich seiner extremistischen politischen Meinung zu unterlassen«. Zusammen mit der VVN-BdA, in deren Jugendorganisation er aktiv ist, wandte sich Hatzold kurz darauf an junge Welt. Danach berichtete gerade die Lokalpresse des bayrischen Ortes über den Vorfall. »Dadurch hatte ich persönliche Nachteile an der Schule, aber es war ganz sicher der richtige Schritt«, so Hatzold. Durch die größere Öffentlichkeit erklärten auch andere ihre Unterstützung für Hatzold. Die Schülervertretung des benachbarten Franz-Ludwig-Gymnasiums erklärte etwa in einem offenen Brief, »die Tatsache, dass an einer Bamberger Schule engagierte Schüler allein ihrer politischen Einstellung wegen derart hart und restriktiv bestraft werden«, mache eine Solidarisierung notwendig. Wie Hatzold meint, sei das eine »wichtige Stütze« für ihn gewesen.

Doch der erhöhte Druck hat ihn nicht nur moralisch unterstützt. Eine von der Stadt beantragte Prüfung des Verweises, die letztlich dessen Unhaltbarkeit ergab, war erst nach nicht abreißendem Medieninteresse von Bürgermeister Christian Lange (CSU) veranlasst worden. Dort ist man ums Image von Stadt und Schule besorgt. »Wir wollen unbedingt den falschen Eindruck korrigieren, dass es hier um die politische Meinung eines Schülers geht«, erklärte Franz Eibl, Pressesprecher von Bamberg, gegenüberjW. Und weiter: »Die Schule war mit dem Medieninteresse am Fall völlig überfordert.« »Wir werden weiter gegen die Bundeswehr an Schulen vorgehen. Gerade jetzt, nachdem so viele Unterstützer aus der ganzen Republik sich bei uns und dem Schüler gemeldet haben«, zog Günter Pierdzig, Vorsitzender der Bamberger VVN-BdA, ein Fazit aus dem Fall. Denn der Militarisierung der Bildungsstätten, die oft ohne Einbeziehung der Eltern und Schüler geschehe, müsse man entgegentreten. Einen Nutzen sieht auch Hatzold in der Affäre. So sei es an seiner Schule zumindest ansatzweise zu einer Diskussion über das Thema gekommen. Und die, so der 17jährige, sei wichtig, da man dem Militär nicht die Vermittlung von Geschichts- und Moralvorstellungen überlassen dürfe. »Es ist eigentlich deutschlandweit wichtig«, so Hatzold, »dass Schüler gegen die Bundeswehr protestieren.«

aus: jungewelt.de/2015/03-12/056.php